Sattelnacht

Zelten und übernachten im Spreewald

Flach, wasserreich und aus Berlin in einer Stunde erreichbar — der Spreewald ist ideal für eine erste Mehrtagestour. Nur beim Naturschutz ist er streng.

Zuletzt aktualisiert: 20.8.2026

Warum der Spreewald mit dem Rad funktioniert

Rund 1.000 Kilometer ausgebaute Radwege durchziehen die Region, jeder Ort ist erschlossen, und das Gelände ist flach. Für eine erste Mehrtagestour mit Gepäck gibt es kaum eine freundlichere Gegend.

Dazu kommt etwas, das man erst vor Ort versteht: Der Spreewald ist keine Landschaft mit einem Fluss, sondern ein verzweigtes Netz aus Fließen — hunderte Wasserläufe, zwischen denen Wiesen, Erlenwälder und Höfe liegen. Man fährt hier ständig über kleine Brücken, und alle paar Kilometer sieht es anders aus.

Der Gurkenradweg

Die Hauptroute ist ein Rundkurs von rund 260 Kilometern durch das UNESCO-Biosphärenreservat, ausgeschildert mit einer gelben Tafel und einer grünen, radelnden Gurke. Fünf bis sechs Tage für die ganze Runde sind realistisch, aber weil es ein Rundweg ist, kannst du dir auch nur einen Abschnitt vornehmen.

Die Wege sind überwiegend asphaltiert oder gut befestigt, gelegentlich kommen Feldwege dazu. Neben dem Gurkenradweg führen auch der Spree-Radweg und die rund 200 Kilometer lange Kranichtour durch die Region, letztere hinaus in die Bergbaufolgelandschaft.

Übernachten: die Wasserwanderrastplätze

Das prägende Übernachtungsangebot der Region stammt von den Paddlern. Entlang der Fließe liegen Wasserwanderrastplätze, auf denen gegen eine Gebühr eine Nacht im Zelt erlaubt ist. Viele davon sind mit dem Rad problemlos erreichbar.

Typisch ist eine Wiese am Wasser, oft mit Steg, manchmal mit einfacher Toilette. Zwei Dinge solltest du wissen: Nicht jeder dieser Plätze ist auch für Radreisende gedacht, und die Gebühren werden häufig vor Ort kassiert. Was am konkreten Platz gilt, steht in seiner Beschreibung.

Dazu kommen Campingplätze in den größeren Orten und private Gastgeber, die einen Platz im Garten anbieten — die einzige Variante, die kostenlos ist und bei der du vorher weißt, dass jemand mit dir rechnet.

Naturschutz ist hier kein Nebenthema

Der Spreewald ist Biosphärenreservat, und das merkt man an den Regeln. Ein Großteil der Fließgewässer liegt in oder an Naturschutzgebieten, einzelne Fließe sind für den Bootsverkehr gesperrt, weil sie durch besonders empfindliche Lebensräume führen. Für dich als Radreisenden heißt das vor allem: auf den Wegen bleiben, nur auf ausgewiesenen Plätzen übernachten, kein Feuer außerhalb vorgesehener Stellen.

Das ist kein bürokratischer Selbstzweck. Fischotter, Eisvogel und Schwarzstorch haben hier eines ihrer letzten Rückzugsgebiete.

Worauf du dich einstellen solltest

  • Mücken. In einer Landschaft aus stehendem und langsam fließendem Wasser sind sie unvermeidlich. Ein dichtes Innenzelt ist hier keine Komfortfrage.
  • Hochsaison. Lübbenau, Lehde und Burg sind im Juli und August gut besucht. Wer Ruhe will, fährt im Mai oder September oder weicht in den Unterspreewald aus.
  • Kahnverkehr. Auf den Fließen haben die traditionellen Kähne Vorrang. Das betrifft dich nur, wenn du Rad und Paddeltour kombinierst — was sich hier anbietet.
  • Sorbische Kultur. Zweisprachige Ortsschilder gehören zum Spreewald. Die niedersorbische Sprache und Tradition sind hier lebendig, nicht museal.

Rad und Kahn

Eine Eigenheit der Region, die sich anbietet: An vielen Orten kannst du das Rad für einen halben Tag stehen lassen und stattdessen paddeln oder eine Kahnfahrt machen. Landschaftlich ist das der eigentliche Zugang zum Spreewald — vom Wasser aus sieht man, was vom Damm aus verborgen bleibt.

Wer das einplant, sollte die Etappe an diesem Tag kurz halten. Ein Vormittag im Kahn und danach noch sechzig Kilometer fahren ist ambitionierter, als es klingt.

Plätze im Spreewald

Häufige Fragen

Darf ich im Spreewald zelten?

Nur auf ausgewiesenen Plätzen. Der Spreewald ist UNESCO-Biosphärenreservat, große Teile stehen unter Naturschutz. Wildes Zelten ist nicht gestattet — dafür gibt es Wasserwanderrastplätze, Campingplätze und private Gastgeber.

Kann ich als Radfahrer auf einem Wasserwanderrastplatz übernachten?

Auf vielen ja. Diese Plätze wurden für Paddler eingerichtet, und auf den ausgewiesenen Plätzen darf gegen Gebühr eine Nacht gezeltet werden. Ob ein bestimmter Platz auch für Radreisende offen ist, steht in der jeweiligen Platzbeschreibung.

Wie lang ist der Gurkenradweg?

Rund 260 Kilometer als Rundkurs durch das Biosphärenreservat. Für die komplette Runde solltest du fünf bis sechs Tage einplanen. Da es ein Rundweg ist, kannst du überall einsteigen.

Ist der Spreewald mit dem Rad anstrengend?

Nein. Das Gelände ist flach, die Wege sind überwiegend asphaltiert oder gut befestigt, gelegentlich kommen Feld- und Schotterabschnitte dazu. Die Beschilderung des Gurkenradwegs ist eine gelbe Tafel mit einer grünen, radelnden Gurke.

Wann ist die beste Reisezeit?

Mai und September sind am angenehmsten. Im Hochsommer ist es in den bekannten Orten voll, und in den Feuchtgebieten sind Mücken ein ernstzunehmendes Thema — ein Zelt mit dichtem Innenzelt ist hier wichtiger als anderswo.

Wie komme ich aus Berlin in den Spreewald?

Mit dem Regionalzug und Fahrradmitnahme. Lübben, Lübbenau, Vetschau und Cottbus haben Bahnanschluss und liegen am Gurkenradweg — das macht auch Teilstrecken einfach planbar.

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